Es soll ein Sprichwort geben, das lautet: „In der Not, schmeckt die Wurst auch ohne Brot.“ Mit unseren Gästen besuchten wir die Backstube in Zorten, die von Bäuerinnen der Region betrieben wird. „Hallo?“ rief unser Kulturmacher vor Ort zum Fenster hoch. „Kommt rein, gleich um die Ecke.“ So gingen wir die Rampe hoch und betraten einen Raum mit einem betörenden Duft von Teig, Mehl und glühendem Ofen. Irene Parpan knetete die Formen und Marieva Sigron legte sie auf einem Tuch zurecht. Dann hieß es, die Temperaturen zu messen, die glühende Kohle aus dem Ofen zu holen, dann wieder zu messen bis es soweit war. Voller Sorgfalt und Hingabe platzierten die beiden Frauen Brot für Brot in den großen Ofen. Nachdem der Riegel zu war, setzten wir uns in die Herbstsonne, tranken Quellwasser aus dem nahen Brunnen und sie erzählten uns von der Kunst des Backens, die Zusammensetzung des Teigs und ihrer Leidenschaft für die Arbeit. Unsere Gäste stellten Fragen, hörten zu und schnupperten nach der Verheißung aus dem Ofen. Als es soweit war, wurde Hand angelegt beim Herausholen und Drapieren der herrlich frischen Laiber. Wir dankten der Irene und Marieva für den Einblick in ihr Brothandwerk, gingen zum Postauto und aus den Taschen verzauberte der Brotduft unsere Sinne. Nein, dem oben erwähnten Sprichwort können wir nicht zustimmen. Das Brot, das wir hier entdeckt haben, braucht keine Wurst mehr.

Urs Heinz Aerni

PS: Der Besuch des Backhauses wurde durch das Kulturprogramm des Hotels organisiert. Auch das örtliche Ortsmuseum Zorten ist sehr zu empfehlen.