Stephanie Gränicher verbrachte bei uns ein paar Tage und unser Kulturverantwortlicher Urs Heinz Aerni durfte ihr ein paar Fragen stellen.

Machen eigentlich schreibende Menschen auch Urlaub vom Schreiben?
Bei mir ist dies ein wechselseitiger Prozess. Ich bin ein Bewegungsmensch und kann gar nicht viele Stunden hintereinander sitzen und schreiben. Immer wieder brauche ich Anregung von außen, um Ideen zu sammeln.

Also holten Sie sich auch Inspiration bei uns hier in Lenzerheide…
Ich sauge Landschaften, Gebäude, Menschen, Gerüche und Atmosphäre auf. Dann lese ich während der Ferien Unmengen und plötzlich kommt der Schreibdrang. Ich hole meinen Laptop raus und lege los, egal ob während einer Fahrt durch den Himalaya, auf einem Schiff in Südamerika oder an einem tropischen Strand. Meine Reisenotizen finden Eingang in Fotoalben und werden von manchen Freunden regelrecht eingefordert. Natürlich dienen sie auch als Geschichten- und Romanmaterial. Die Redakteurin unserer Dorfzeitschrift in Erlenbach hat mich sogar gebeten, von meiner Asienreise dieses Frühjahr einen Artikel zu schreiben. Urlaub vom Schreiben? Auf keinen Fall!

Ihr Roman beschäftigt sich mit Shopping-Welt und den Menschen darin. Gab es ein Erlebnis, das Sie dazu inspirierte?
In einem Schreibkurs bekamen wir die Aufgabe, einen Text zu schreiben, der ausschließlich die Gedanken und Gefühle einer Person wiedergibt, also ihren Bewusstseinsstrom. Meine Figur ging im Supermarkt einkaufen. Als Hausfrau ist für mich das Kaufen der Lebensmittel Alltag, eine regelmäßige und – ich gebe es zu – eine manchmal öde Angelegenheit, wenn ich nicht etwas Besonderes brauche oder aufs Geld achten muss. Also hänge ich meinen Gedanken nach, während ich warte bis ich an der Reihe bin. Es kann auch ein Lebensmittel sein, was mich an ein völlig anderes Ereignis in meinem Leben denken lässt. Dann sind da all diese Menschen, Fremde oder solche, die ich schon gesehen habe oder sogar kenne. In einem Dorf oder einer Kleinstadt bilden sie ein Netz, wo man sich früher oder später begegnet. Diese Überlegungen haben mich nicht mehr losgelassen und inspiriert, eine solche Welt zu erfinden.

Wo haben Sie sich hier im Hotel am liebsten aufgehalten?
Mein Mann und ich waren bereits dreimal im Schweizerhof: vor Jahrzehnten und dieses Jahr im Winter zu zweit und vor kurzem mit einem Teil unserer Familie. Zu zweit haben wir das Spa und das gediegene Nachtessen geliebt. Mit der Familie war das Schwimmbad wichtig und wieder die Mahlzeiten, diesmal im unkomplizierten Familienrestaurant.

Wie ist der Einfluss der Umgebung fürs Schreiben? Was passiert mit der Autorin, wenn sich das Umfeld verändert?
Für mich ist ein regelmäßiger Wechsel der Umgebung wichtig, damit ich Neues erleben oder Liebgewonnenes erneut erfahren kann. Damit verbunden ist das Kennenlernen Unbekannter oder das Wiedersehen mit Freunden. Für mich sind Orte, Menschen, Gefühle und Erlebnisse unentbehrliche Quellen, um einen Text spannend und unterhaltsam zu gestalten.

Beschreiben Sie uns Ihren Platz, an dem Sie schreiben?
Zuhause habe ich den Luxus, dass ich ein ehemaliges Kinderzimmer zum Büro umfunktionieren konnte mit einem riesigen Schreibtisch, viel Ablagefläche am Boden und einer Regalwand, die vor Büchern, Ordnern, Zeitschriften und Postkarten – ja, ich bekomme noch solche – überquillt. Ablenkend, aber auch entspannend ist der Blick in den Garten, besonders wenn die Nachbarskatze hallo sagt. Unterwegs kann ich überall schreiben: im Zug, im Café, auf einer Bank, in der Badi, am Flughafen, im Flugzeug, im Auto, auf dem Hotelbett, im Spa, im Bus, im Park, auf einer Toilette …

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Stephanie Gränicher, 1958 im Raum Köln-Bonn (D) geboren und aufgewachsen, lebt heute mit ihrem Mann in der Nähe von Zürich. Sie studierte Englisch, Spanisch und Publizistik an den Universitäten Bonn, Bristol, München und Zürich. Es folgte eine Zeit mit Priorität auf die Familie, als freie Mitarbeiterin bei Zeitungen und als Kursleiterin für Englisch und Deutsch. Später leitete sie sieben Jahre lang die Gemeindebibliothek Spreitenbach und widmet sich seit 2010 dem Schreiben. Neben dem Besuch verschiedener Kurse absolvierte sie die M-Art Schreiben Grundstufe und erwarb das Diploma ECTS der ZHdK. An der »Late Night Show Lesen« stellte sie eine ihrer Kurzgeschichten vor und hat im Juni 2016 ihren ersten Roman vollendet. Die Autorin kann hier im Internet besucht werden: www.stephanie-graenicher.com

Das Buch: „Foodparadies“, Roman von Stephanie Gränicher, Bucher Verlag, ISBN: 978-3-99018-424-0