Der Schriftsteller Helmut Maier verbrachte im Hause ein paar Tage. Unser Kulturmacher durfte ihm danach ein paar Fragen stellen.

Urs Heinz Aerni: Ihr Roman „Bristen“ mauserte sich zu einem Longseller und nun arbeiten Sie an einem neuen Text. Vor kurzem weilten Sie nicht nur auf Norderney, sondern auch hier in Lenzerheide. Welche Gefahren für Ihre Inspirationen birgen die beiden Landschaften?

Helmut Maier: Norderney ist eine Insel in der Nordsee mit kilometerlangen Sandstränden und einem endlosen Blick aufs weite Meer hinaus. Keine Gefahr also für Inspirationen, sondern ein idealer Ort. Ich kann meinen Kopf auf stundenlangen Spaziergängen leeren, bevor er sich von selbst wieder füllt.

Aerni: Was wir hier oben nicht bieten können…

Maier: Aber Lenzerheide lockt mich mit seiner wunderbaren Bergwelt zum Wandern. Das ist aber um einiges anstrengender als Strandspaziergänge und ich muss mich mehr auf den Weg konzentrieren. Da kommt die Inspiration oft erst am Abend, als Teil einer zufriedenen Erschöpfung.

Aerni: Wie groß sind die Chancen, dass Sie auch die Gegend als Kulisse in Ihrem neuen Roman nehmen, in der Sie schreiben?

Maier: Meist lasse ich die Kulisse zuerst in meiner Vorstellung entstehen und dann suche ich Orte auf, die zu dieser Vorstellung passen könnten. Im Moment sind es zum Beispiel Moorlandschaften, enge Täler, ländliche Gegenden. Wenn etwas passt, dann bleibe ich und schreibe vor Ort oder mache Fotos und Notizen, die mich dann über Tage oder Wochen begleiten, bis der Text stimmig ist.

Aerni: Die Zukunft des hiesigen Tourismus beschäftigt das Gewerbe rund um Gastronomie, Bergbahnen und den Detailhandel. Wo sehen Sie denn die Stärken von Graubünden für Feriengäste?

Maier: Mir gefällt die unvergleichliche Vielfalt, die man in Graubünden findet. Landschaftlich, sprachlich, kulturell gibt es beeindruckende regionale und lokale Unterschiede. Diese Unterschiede machen den Unterschied. Als Feriengast gefällt mir, dass diese Vielfalt vermehrt gepflegt wird und man darin die Einzigartigkeit erkannt hat. Und mir gefallen die innovativen Produkte, die dadurch entstehen, sei es in der Hotellerie, in der Gästebetreuung oder in der Kulinarik.

Aerni: Wenn Sie hier auf der Heide Tage verbringen möchten, mit welchen Wünschen fahren Sie dann aus Zürich los?

Maier: Sonne und Sternennächte, blauer Himmel, weisse Berge, Spaziergänge und Wanderungen, Sport und Ruhe, feines Essen, kann auch bodenständig sein, frische Luft und Lärchenwälder.

Aerni: Gibt es etwas, das Graubünden konkurrenzlos macht?

Maier: Wie gesagt, die Einzigartigkeit der Vielfalt. Und Gian und Giadgen.

Aerni: Sie waren Gast in unserem Haus. Gibt es Lieblingsorte, die Sie mit Vorliebe aufsuchen?

Maier: Die Bar, den Wellnessbereich, die Bibliothek, die Lounge und die Rezeption.

Aerni: Warum?

Maier: Bar, Bibliothek und Lounge, weil sie absolut klasse eingerichtet sind, in einem Stil, der mich fasziniert und mich auch fast ein wenig neidisch macht.

Aerni: Aha!

Maier: Aber ich weiss auch, dass das bei mir zuhause nie das selbe wäre. Das Wellness einfach so und die Rezeption, weil man sich dort so wunderbar um jedes Anliegen kümmert, das mich umtreiben könnte. Mit einer Selbstverständlichkeit und Freundlichkeit, die ihresgleichen sucht. Aber das gilt eigentlich für das ganze Personal. So gesehen ist wahrscheinlich das ganze Hotel mein Lieblingsort.

Aerni: Und Hand aufs Herz: Gäbe es noch Optimierungsmöglichkeiten?

Maier: Da müsste ich lange überlegen. Eine Woche oder so. Mindestens. Am liebsten natürlich im Hotel. Mal in der Bar, mal in der Lounge, mal im Wellness…

Aerni: Kämen Sie wieder?

Maier: Ist das jetzt eine Einladung?

Aerni: (Dreht sich in Richtung Réception um)

Maier: Keine Sorge, ich komme auch ohne Einladung sehr gerne wieder.

INFO
Helmut Maier wurde 1955 geboren und lebt heute als Autor in Zürich. Von ihm sind der Roman „Bristen“ erschienen und die Kurzgeschichte „Elvira – Die Herrscherin“, die von der Animationskünstlerin Sabine Lattmann in der verfilmt vom Peter Schneider gesprochen wurde. Weitere Informationen über ihn finden Sie hier beim Nydegg Verlag